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Was wird Europa im 21. Jahrhundert sein, ein Global Player oder ein Zaungast der großen Weltläufe? Die Beantwortung der Frage hängt entscheidend von Deutschland und Frankreich ab, den beiden größten Mächten auf dem Alten Kontinent. Ihre Rivalität führte zur Entfesselung von zwei Weltkriegen, ihre Aussöhnung und Freundschaft nach 1945 zum Frieden und zur europäischen Integration. Klaus Kellmann verschweigt diese Erfolgsgeschichte keineswegs, aber er analysiert auch schonungslos ihre Schattenseite: de Gaulles Großmachtgehabe, Mitterrands Versuche, die deutsche Einheit zu verhindern, und Macrons anmaßende Führungsrolle in der Europäischen Union, basierend auf einer sich kalamitär zuspitzenden politischen und gesellschaftlichen Lage im eigenen Land. Da passt einiges nicht mehr zusammen. Wieder einmal ist die Achse Berlin–Paris, die Synergie und das Potenzial beider Nationen, politisch, ökonomisch und militärisch der einzige Ausweg aus der Krise, aber nur um den Preis der tatsächlichen Gleichberechtigung und Augenhöhe auf dem „Tandem“. Misslingt dies, droht nicht nur den beiden Staaten, sondern ganz Europa der Absturz in die Zweitklassigkeit und Abhängigkeit, ja in die Bevormundung durch die Vereinigten Staaten von Amerika und China. Der Prozess ist bereits in vollstem Gang.
Dr. Klaus Kellmann, geboren 1951, war stellvertretender Leiter der Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein in Kiel. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen zählt die 2018 erschienene Studie Dimensionen der Mittäterschaft. Die europäische Kollaboration mit dem Dritten Reich.
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Nicht mehr beste Freunde
Wenn Versöhnung nach 1945 in Gleichgültigkeit umschlägt – Klaus Kellmann zeichnet eine brillante Nachbarschaftsstudie zwischen Deutschland und Frankreich. Ein wichtiges Buch zur richtigen Zeit, selbst wenn die Hauptthese des Historikers recht verwegen klingt.
Von Stefan Ulrich, in: Süddeutsche Zeitung | Das Politische Buch | 9. März 2026 | SZ Plus
Aus der Rezension von Stefan Ulrich:
„[…] das voluminöse, kundige und faktenreiche Werk des Historikers Klaus Kellmann [kommt] zum richtigen Zeitpunkt. Es beginnt mit der Dreyfus-Affäre Ende des 19. Jahrhunderts und zeichnet das konfliktreiche Verhältnis der beiden Nachbarländer mit einer enormen Fülle an Ereignissen und Quellen bis in die Gegenwart nach. Dazwischen liegen zwei Weltkriege und eine Versöhnung, die mittlerweile in genau die Gleichgültigkeit umzuschlagen droht, vor der Macron warnt. Dagegen schreibt Kellmann an. Der Autor tut dies nicht im trockenen Duktus mancher deutscher Akademiker, sondern in einem prägnanten, eingängigen, beispielreichen Stil, wie man ihn oft von angelsächsischen Sachbuchautoren kennt. Zudem reichert er seinen Text mit gelungenen Kurzbiografien an, von französischen Politikern, Künstlern oder Schriftstellerinnen. Das macht die Lektüre mehr zum Vergnügen als zur Arbeit – es sei denn, man ist dezidiert frankophil eingestellt. Dann kann einem Kellmann auch manches Ärgernis bereiten.“
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